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Was ist ein TC?
Seit Anfang der 1970er Jahre stehen Taschenrechner (TR) als zeitgemäße numerische Werkzeuge für den Mathematikunterricht (und nicht nur dort!) zur Verfügung, und sie haben das Verschwinden der klassischen Tafelwerke (Logarithmentafel, trigonometrische Tafeln) und des Rechenschiebers bzw. Rechenstabs aus dem Unterricht (und auch in der Praxis der Anwender!) eingeläutet — bis dahin waren diese Werkzeuge für die Anwender und für den Mathematikunterricht unverzichtbar! Komfortablere Modelle der TR waren sogar programmierbar, was allerdings für den damaligen Mathematikunterricht noch keine entscheidende Rolle gespielt hatte. Die (Weiter-)Entwicklung der Flüssigkristalltechnik führte dann gegen Ende der 1980er Jahre zu einer Ablösung der klassischen "Sieben-Segmente-Anzeige" und zwar hin zu einer pixelorientierten Matrix-Darstellung der Ziffern, womit sog. graphikfähige Taschenrechner (GTR) den Markt eroberten: Damit war es nicht nur möglich, alphanumerische Zeichen besser lesbar darzustellen, sondern vor allem diese neuartigen Rechner u. a. auch als Funktionenplotter einzusetzen. (Funktionenplotter kamen übrigens nahezu zeitgleich für die aufkommenden Personalcomputer als Softwarelösungen in die Schulen — wenn auch noch lange nicht flächendeckend.)
Nachdem um 1990 herum erstmals Computeralgebrasysteme (CAS) für den Mathematikunterricht zur Verfügung standen, wurden kurz darauf solche Systeme auch in die GTR implementiert (zuerst: TI 92), die darüber hinaus auch alle programmierbar waren. Damit waren diese kleinen Geräte weit über den ursprünglichen Zweck eines Taschen-"Rechners" hinausgewachsen: Es waren nun sogar Taschencomputer (TC)!
Die Funktionen eines Taschencomputers gehen damit weit über diejenigen des ursprünglichen Taschenrechners hinaus. Während dieser noch lediglich zur Durchführung numerischer Rechnungen diente (und taugte!), besitzt ein Taschencomputer nicht nur wie ein GTR die "Fähigkeit" zu graphischen Darstellungen, sondern er ermöglicht über das implementierte CAS die Durchführung formaler Techniken, nämlich "symbolisches Rechnen" wie beispielsweise Termumformungen, nicht-numerisches Lösen von Gleichungen und Gleichungssystemen und formales Differenzieren und Integrieren. Da ohne die sichere Beherrschung solcher Techniken interessante Mathematik oftmals (wenn auch nicht immer!) kaum betrieben werden kann und die Einübung solchen Techniken (leider!?) einen wesentlichen Teil des bisherigen Mathematikunterrichts ausmacht, wird sich der Mathematikunterricht solchen Computeralgebrasytemen und damit auch den Taschencomputern nicht verschließen können.
Allerdings wird es dabei nicht nur um die sinnvolle Verwendung dieser Neuen Medien im Unterricht gehen, sondern der Mathematikunterricht wird durch die Verfügbarkeit solcher Medien in seiner Wurzel getroffen werden, und es werden auch medienpädagogische Aspekte wichtig!
(Solche Aspekte werden später anderer Stelle dieser Virtuellen Universität thematisiert.)
Horst Hischer, im April 2004
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